Klick! Benedict von Bremen springt zur nächsten Folie. Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Pfälzische Geschichte und Volkskunde lässt den Eindruck auf das zahlreich erschienenen Publikums wirken: Die gesamte Pfalz ist blau! Überall zeigt die Karte blaue Markierungen, die dafür stehen, an welchen Orten in der Pfalz es Internierungen zwischen 1939 und 1945 gegeben hat. Zwangsarbeit gab es nicht nur in den großen Städten wie Ludwigshafen, Kaiserslautern oder Frankenthal, nein, es gab sie praktisch überall: „Kriegsgefangene“, wie sie damals hießen, gab es auch in Dammheim, Nussdorf, Queichheim und selbst in Lagern in der Weißenburger Straße oder am Bismarck-Turm. Plötzlich lässt sich Geschichte ganz nah erspüren. Das sind nicht irgendwelche Orte, mit denen ich nichts zu tun habe, das sind Orte in meiner unmittelbaren Umgebung, ja, auch hier in Landau!
„Welches Problembewusstsein gab es denn in der Bevölkerung?“, will Rita Becker-Scharwartz wissen. Die stellvertretende Vorsitzende der Bezirksgruppe Landau-Annweiler im Historischen Verein der Pfalz ist angesichts all der blauen Markierungen ganz erschüttert und erahnt die Antwort: „Keines!“, erklärt Benedict von Bremen: „Vielmehr war es so, dass manche der französischen Gefangenen bis in die 1970er und 1980er Jahre hinein sogar fast zu Freunden wurden!“
Nicht nur Rita Becker-Scharwatz´ Frage wurde am 1. Oktober 2026 in der Mensa des Otto-Hahn-Gymnasiums Landau beantwortet, sondern auch zahlreiche andere Themen erörtert, die die historisch interessierten Gäste geklärt wissen wollten.
In einem etwa einstündigen Vortrag, gestützt durch zahlreiche Folien mit erschreckenden Abbildungen, Statistiken und Zahlen, fesselte der wissenschaftliche Mitarbeiter im Zentralarchiv des Bezirksverbandes Pfalz die Zuschauenden mit vielen Informationen, die entweder bereits bekannte Sachverhalte festigten oder erstaunliche neue Erkenntnisse offenbarten.
Sein Ziel sei es, so Bendict von Bremen, Daten zu erheben und Geschichte vor Ort sichtbar zu machen, vor allem die Lebensbedingungen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Präsentieren könne er aber lediglich einen Zwischenstand, der die bisher erforschten Repressionen, Verfolgungen und Tötungen beinhalte.
Viele Dokumentationen seien bereits erschienen. Aufschlussreich sei auch ein Artikel aus der Rheinpfalz zum Lager in Pirmasens-Nord gewesen. Schwierig sei aber, dass viele Aufbewahrungsfristen abgelaufen und Quellen somit vernichtet worden seien. Die Arolsen Archives lieferten unglaublich wichtiges Material und so seien auch Quellen wie „Wie spreche ich mit meinem polnischen Landarbeiter?“ erhalten geblieben.
Viele dächten beim Stichwort „Zwangsarbeit“ mit Sicherheit an die Stiftung „Erinnerung – Verantwortung – Zukunft“, die 1999 und 2000 in allen Medien das Schicksal von vielen betroffenen Menschen transportierte. Von den 283.000 Beschäftigten in der Pfalz seien ein Viertel Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gewesen. Schon vor dem Judenstern habe es 1942 das Polen-Abzeichen und das OST-Abzeichen gegeben. Vor den Polen sei gewarnt worden. Das deutsche Blut habe reingehalten werden müssen.
Der Historische Verein bedankt sich bei Benedict von Bremen für eine sehr bewegende Veranstaltung, die allen Beteiligten nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.
Dirk Wippert

